
Biografie
Irgendwann mit 8 oder 9 Jahren habe ich die Benny Goodman Story im Fernsehen gesehen. Von da an stand der Wunsch fest, Klarinette zu spielen (Was passiert wäre, hätte ich die Glen Miller Story gesehen ist schwer zu sagen). Mein zweiter Lehrer erkannte zwei Dinge mein musikalisches Talent und die Tatsache, dass ich dieses auf der Klarinette wohl kaum verwirklichen würde, und "überzeugte" mich, zum Saxophon zu wechseln. (Eines Tages stand da dieser riesige Koffer im Unterrichtsraum.) Nichtsdestotrotz gab es für mich noch einige schöne musikalische Momente auf der Klarinette in der Dixieland Combo der hiesigen Musikschule. Auf dem Saxophon habe ich mich peu á peu über Lester Young, Coleman Hawkins & Konsorten an Charlie Parker herangewagt. (Es gibt eine Super-8 Aufnahme von den Klippen Cornwalls, wo ich ein und dasselbe Parker-Lick über 5 Minuten wiederhole. Was für ein Spaß für diejenigen, die sich das anschauen durften!). In England, um genau zu sein in Canterbury habe ich mir dann von meinem Taschengeld meine erste Jazzscheibe gekauft. „Belonging“ hieß sie. Jan Garbareks Spiel hat mich 14jährigen glatt umgehauen.
Mit 16 Jahren kam es vorerst zum Bruch mit der Musik, nachdem ich über drei Jahre lang meine Nachbarn (und meinen Bruder) mit meinem exzessiven üben quasi in den Wahnsinn getrieben hatte, kehrte plötzlich wieder Stille in unser Heim. Irgendwie wie war mir der Verdacht gekommen, dass es da auf dieser Welt noch andere, äußerst interessante Dinge zu entdecken gäbe. Erst zwei Jahre später fand ich wieder zurück zur Musik (zufällig traf ich auf Dave Clark – damals noch Saxophon Mafianer und vereinbarte einen Unterrichtstermin). Dave verdanke ich vor allem eine öffnung und Erweiterung meines Musikgeschmacks: Da traten plötzlich Musiker wie Ornette Coleman, Louis Sclavis, John Surman, Arthur Blythe in mein Leben.
Die Hochschulzeit (Arnheim,
Rotterdam & Köln) brachte
vor allem eins: eine Menge Kontakte zu sehr guten Musikern. Alle meine
momentanen
Projekte (lirico, Lemke-Nendza-Hillmann und das Duo mit Thomas Rückert)
haben mehr oder weniger ihre Wurzeln in dieser Zeit.
Wirklich geprägt haben mich allerdings die zahlreichen Begegnungen mit dem amerikanischen Jazz-Trompeter Willie Thomas. Der war seinerzeit (in den 60ern) Förderer von keinem Geringeren als Bunky Green (Lehrer Steve Colemans) und mit Slide Hampton & George Coleman auf Tour. Aus erster Hand habe ich so von Willie eine Menge über Phrasing, Rhythmus-, Melodie-Konzepte, aber auch im Bereich der Jazzpädagogik (Mr Thomas hat immerhin sein Jazzkonzept "Jazzanyone…?" bei Warner Brothers herausgebracht.) gelernt. Dass ich sein Angebot ausgeschlagen habe mit ihm in die Staaten zu gehen, hatte vor allem familiäre Gründe. Zu der Zeit (mit 25 Jahren) war ich bereits verheiratet und hatte zwei Söhne.
Während meiner
Studienzeit gab es immer wieder
Berührungspunkte mit einigen bedeutenden
"Jazzgrößen": So hat mir Clark Terry die
Zirkulationsatmung beigebracht. Mit Bob Mintzer habe ich neben
Erziehungsfragen
(unsere Söhne sind in etwa gleichaltrig) über
Ansatztechniken und
Oktatonik-Konzepte debattiert. Niemals vergessen werde ich auch
den singenden Herb Geller, der sich ans Klavier setzte und sein Lied
über "Rhythm, Harmony & Melody" zu Gehör brachte. Zweimal
im Monat kam er nach Rotterdam zum Unterrichten.
Aber auch (oder besser gerade) nach dem Studium
gab es immer wieder inspirierende Begegnungen mit u.a. afghanischen
Musikern oder
indischen Kollegen (wie den wunderbaren Sarodspieler Dr. Rajeeb
Chokroborty),
die meinen Horizont erweitert haben.
Dennoch verdanke ich meine musikalische Reifung in erster Linie den Mitmusikern, die mich über Jahre begleitet haben. Da ich nie eine „Sideman“-Karriere angestrebt habe, sondern immer meine (auch durch die Familiensituation) begrenzte Anzahl an eigenen Projekten hatte, sind so vielleicht nicht viele aber doch sehr intensive und langlebige Freundschaften entstanden. Das zeigt sich auch und vor allem im Resultat: der Musik.
Immerhin war es André Nendza, der mich
nach einer gemeinsamen Studiosession für meine 4. lirco Scheibe
(sussurro/ jazzhausmusik) im Jahr 2003 quasi aus meinem
"Dornröschen Schlaf" erweckte. Das Telefonat kam just an meinem
Geburtstag - ein schönes Geschenk. Im Hintergrund höre ich
noch Christoph Hillmann "frotzeln", ob ich denn mittlerweile auch
in Deutschlands Süden spielen würde - in Anlehnung an unsere
gemeinsamen Gigs 1993 u.a. auf den Leipziger Jazztagen und im Berliner
A-trane, wo ich mich sichtlich schwer tat, meine Familie
"zurückzulassen". Nun, der frisch-gebackene Vater André
Nendza kann das jetzt sicherlich zumindest nachvollziehen.
So haben wir dann zusammen mit Andreas Wildenhein 2003 eine
wunderschöne CD (terra incognita) eingespielt. Das Release-Konzert
"zierte" ein ganz besonderer Gast: Charlie Mariano.
Die dort freigesetzte Energie, Spiel- und Wiedersehensfreude (mit Christoph hatte ich einige Jahre nicht mehr gespielt) haben wir gleich in unser Trio (Lemke-Nendza-Hillmann) einfließen lassen und 2004 unser Debüt-Scheibe "El Arte" eingespielt, die war sehr erfolgreich und die vielen gegebenen Konzerte nicht minder. So folgte 2006 gleich die Aufnahmen zu unserer zweiten Scheibe "Kyrillis". Diesmal hatten wir mit dem französischen Geigenvirtuosen Dominique Pifarély "die perfekte Wahl" (WDR) für unser offenes Triokonzept gefunden.
All diese Begegnungen sowie ein Treffen mit Dave Liebman Anfang 2005 haben mein Spiel nachhaltig beeinflusst und reifen lassen. Vor allem aber die wirklich intensive Arbeit im Trio Lemke-Nendza-Hillmann, die den Titel "Working Band" zurecht verdient.
Wäre noch zu erwähnen, dass auch meine Arbeit im Duo mit dem Kölner Pianisten Thomas Rückert konkrete Züge annimmt. Unsere ebenfalls 2006 "live" eingespielte CD kommt im Mai 2008 endlich auf den Markt.